Bericht über den neuen Kreistag (konstituierende Sitzung)
Bericht aus dem Kreistag vom 22.05.2026
Am 22. Mai 2026 trat der neu gewählte Kreistag des Landkreises Marburg-Biedenkopf zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Wer auf erste politische Debatten oder Entscheidungen zu den drängenden Problemen im Landkreis gehofft hatte, wurde jedoch enttäuscht. Aufgrund anhaltender Abstimmungsprobleme zwischen CDU und SPD konnte lediglich ein verkürztes Sitzungsprogramm durchgeführt werden.
Die beiden Koalitionspartner waren sich im Vorfeld nicht über die Größe und Zusammensetzung der Ausschüsse einig geworden. Die Folge war, dass zahlreiche organisatorische und personelle Entscheidungen vertagt werden mussten. Damit blieb die erste Sitzung des neuen Kreistags weitgehend auf formale Punkte beschränkt.
Gewählt wurden lediglich der Kreistagsvorsitz sowie die Schriftführung des Kreistags. Die Vorschläge der Verwaltung für die Schriftführung wurden ohne Aussprache beschlossen.
Anders verlief die Wahl zur Kreistagsvorsitzenden. Die CDU nominierte hierfür ein Mitglied des Hessischen Landtags. Die Linke stellte mit Dr. Ingeborg Cernaj eine eigene Kandidatin auf. Für uns war dabei entscheidend, dass das Amt des Kreistagsvorsitzes nicht nur repräsentative Aufgaben umfasst, sondern eine kontinuierliche Präsenz und intensive Befassung mit den Angelegenheiten des Kreistags erfordert. Mit Dr. Ingeborg Cernaj stand hierfür eine erfahrene, engagierte und langjährige Kreispolitikerin zur Verfügung.
Wie aufgrund der Mehrheitsverhältnisse zu erwarten war, wurde die Kandidatin der CDU gewählt. Dennoch erreichte Dr. Ingeborg Cernaj zehn Stimmen und damit drei Stimmen mehr als die Fraktion Die Linke im Kreistag verfügt. Dieses Ergebnis zeigt, dass unsere Kandidatur auch außerhalb der eigenen Reihen Zustimmung gefunden hat.
Nach Abschluss der Wahlen wurde die Sitzung bereits beendet. Die restlichen Benennungen und Wahlen müssen in den kommenden Sitzungen fortgesetzt werden.
Aus Sicht der Linken ist dieser Auftakt wenig überzeugend. Während viele Menschen im Landkreis mit steigenden Mieten, hohen Lebenshaltungskosten und einer angespannten sozialen Lage konfrontiert sind, beschäftigte sich der neu gewählte Kreistag zunächst vor allem mit den ungelösten Abstimmungsfragen der künftigen Koalition. Die notwendigen politischen Debatten über die Herausforderungen im Landkreis wurden erneut verschoben.
Die Linke wird sich damit nicht zufriedengeben. Wir werden die kommenden Sitzungen nutzen, um soziale Fragen und die Lebensrealität der Menschen im Landkreis stärker in den Mittelpunkt der Kreispolitik zu rücken. Bereits in der nächsten Sitzungsrunde werden wir unter anderem einen Antrag zur Einrichtung einer Meldestelle gegen Mietwucher einbringen. Angesichts steigender Mieten und eines angespannten Wohnungsmarktes braucht es aus unserer Sicht wirksame Instrumente, um Mieterinnen und Mieter besser zu schützen und bestehende rechtliche Möglichkeiten konsequent zu nutzen.
Über die weiteren Entwicklungen werden wir berichten.

