Infostand und Protest gegen AfD in Wetter am 7. Februar 2026
Bericht der Linken Wetter(Hessen)
Am Samstag haben wir einen sehr kurzfristig nötig gewordenen Infostand durchgeführt. Anlass war ein personell ziemlich grässlich bestückter und peinlich blau leuchtender Pavillion, der bereits direkt neben uns Platz bezogen hatte. Bei wenigen Plusgraden und nassem Tauwetter meinten sie, unseren Mitbürger*innen unserer Kleinstadt ihre Hetze zumuten zu dürfen. Die anwesenden "mutig für Deutschland" kämpfenden Kameraden schienen den Tag über jedoch nur dazu imstande, in ihren Gesprächen tapfer vermeintlichen Wahrsagern (denen "aus dem Internet"..), dem anwesenden Bundestagsabgeordneten Julian Schmidt und anderen aus AfD-Parteispitze und rechter Bubble nachzuplappern. Am Rande des wochenendlichen Einkaufstrubels war ihr Stand zwar spärlich frequentiert, die AfD-Strategen schienen dennoch stoisch motiviert – das Konzept der acht anwesenden AfDler lautete Raumnahme, Präsenz, Sichtbarkeit. Dass sie sich dabei mehr oder weniger auf einen vier mal vier Meter großen Bereich konzentrierten, ist das einzig Positive, was man dieser Inszenierung abgewinnen konnte. So darf es mit rechter Hetze in Wetter gerne bleiben.
Denn nach unserem eigenen Wahlkampfauftakt vergangenes Wochenende führten wir selbst eigentlich überhaupt gar keine Pläne eines eigenen Standes im Schilde. Es fehlte uns tagelang die Sonne. In der Entschlossenheit, dass für die AfD die Sonne aber gerne auch künftig fehlen darf, stürzten sich etwa zwanzig mutige Antifaschist*innen bewaffnet mit ein paar Schildern und Fahnen ganz entspannten Fußes in eine am Ende stabil stehende Menschenkette direkt vor dem AfD-Stand. Anfangs gab es sogar Unterstützung einiger Mitstreiter*innen der sozialdemokratischen Partei und durchweg vom Bündnis "Wetter bleibt bunt" sowie den zahlreich eingetroffenen "Omas gegen Rechts". Zahlenmäßig waren wir der AfD weit überlegen. Gegenüber den Passant*innen, die bloß im Auto vorbeifuhren oder vereinzelt zur Volksbank über den angrenzenden Gehweg huschten, signalisierten wir, dass wir gegen rechte AfD-Hetze in unserer Stadt etwas einzuwenden haben. Beim parallelen Flyerverteilen vor den Nahversorgungszentren machten viele Passant*innen ebenso deutlich, dass auch sie Tage mit Sonne mehr schätzen, als die AfD.
Ganz im Gegenteil zu einem altgesottenen Neonazi-Hardliner, Manuel Mann, der sein ausgelebtes Hobby darin begriff, das "Spektakel" durchgehend zu filmen und ins Netz zu streamen. Seiner Ausführung zu Beginn seines Mittschnitts nach hatte AfD-Häuptling Schmidt im Vorgespräch eigene Live-Redebeiträge der AfD kategorisch ausgeschlossen, was wohl auf einen immer noch zelebrierten Hahnenkampf in Nazikreisen zurückzuführen ist. Auch der stets im Hintergrund rumlümmelnde Schlägerkamerad dieses rechtsgesinnten Streamers schien ziemlich gelangweilt. Einmal mehr zeigte diese skurille Szene den jämmerlichen Umgang untereinander und welches politische Klientel diese Partei anzieht. Eher völlig deplaziert und unmotiviert wirkend überließ er uns jedoch gänzlich die Bühne – und damit auch seine Zuschauer*innenschaft. Eine Gelegenheit, die sich drei unserer Kandidat*innen auf großartige Weise nicht entgehen ließen und kurzerhand mit eigenen Redebeiträgen den rechten Stream kaperten. Noch viel selterner, als man sich vom heimischen Sofa aus in den Stream verirrte, kam man vom Einkaufen zum AfD-Stand über die Straße geschlurft.
