Die Linke kritisiert Werksschließung von Biontech in Marburg und fordert ein Umdenken in der städtischen Politik
Anlässlich von Berichten über die Schließung des Marburger Biontech-Werks erklärt Jan Schalauske, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Marburger Stadtparlament:
„Die Entscheidung des Biontech-Managements das Werk in Marburg zu schließen und 540 Beschäftigte zu entlassen, ist eine absolute Katastrophe für die Betroffenen und ihre Familien. Die verantwortungslose Entscheidung der Unternehmensführung ist aber auch ein Beleg für das fatale Scheitern einer städtischen Politik, die den ansässigen Unternehmen am Pharmastandort wiederholt den roten Teppich ausgerollt hat und den Unternehmensinteressen weit entgegen gekommen ist, u.a. durch eine erhebliche Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes.
Schalauske kritisiere das ‚inakzeptable Vorgehen‘ des Mainzer Unternehmens und erinnert daran, dass Biontech vor und während der Pandemie öffentliche Mittel in einem großen Umfang erhalten hätte. Nun lasse das Unternehmen mit den Beschäftigten ausgerechnet diejenigen fallen, die die Milliardenprofite mit den überhaupt erst erarbeitet hätten.
„Auch das Management von Biontech muss sich Fragen lassen, welchem moralischen Kompass es folgt. Einerseits über Jahre von einem extrem niedrigen Gewerbesteuerhebesatz profitieren und „weiche“ Standortfaktoren wie KiTas und Schulen in Anspruch nehmen, andererseits von heute auf morgen einen ganzen Standort dicht machen, zeugt von keiner Verantwortungsbereitschaft den Menschen in der Region gegenüber, die die gigantischen Gewinne von Biontech erarbeitet haben.“
Die Linke vertrete die Auffassung, dass mit Blick auf den groß angelegten Stellenabbau am Standort die bisherige Politik der Stadt endlich auf den Prüfstand gehört. Wer bisher darauf gesetzt habe, dass sich Unternehmensetagen für Steuergeschenke dankbar zeigen, sollte spätestens jetzt eines besseren belehrt worden sein. Nun müsste auch dem letzten Verantwortlichen klar geworden sein, dass die Gewerbesteuerhebesatzsenkung 2021 ein schwerer Fehler zu Lasten der städtischen Finanzen gewesen ist.
„Die Linke steht solidarisch an der Seite der Beschäftigten, des Betriebsrats und ihrer Gewerkschaft. Die bisherige massiven Proteste gegen Stellenabbau und Schließungen am Standort machen Mut und können erst der Anfang gewesen sein und brauchen weiterhin eine breite Solidarität aus Politik und Stadtgesellschaft.“
