Fragen der Marburger Schulzeitung

Frage 1: Wie stehen Sie zu der Forderung, die Bildungsausgaben in Deutschland (messbar und überprüfbar) auf 10 % des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, um der Bildung damit die ihr gebührende Bedeutung zukommen zu lassen?

Die Linke fordert in ihrem Wahlprogramm die öffentlichen Bildungsausgaben auf mindestens 7 % des BIP zu erhöhen, bundesweite Förderungsprogramme für den Ausbau von Gemeinschafts- und Ganztagsschulen, sozialpädagogische Unterstützung an jeder Schule, mehr LehrerInnen sowie ErzieherInnen. Das Recht auf Bildung  von der Krippe bis zur Universität muss im GG verankert werden. Darin muss die berufliche Bildung einbezogen werden .Die Bildungsberufe müssen aufgewertet werden : Wie in nahezu ganz Europa müssen ErzieherInnen eine Hochschulausbildung bekommen und entsprechend bezahlt werden. Alle LehrerInnen brauchen den Masterabschluss und erträgliche Arbeitsbedingungen. Es muss Schluss sein mit verrotteten  Räumen u. Inventar
und aus Spargründen vermüllten Bildungseinrichtungen. Am auch baulichen Zustand ihres Kindergartens, ihrer Schule oder Universität sieht und spürt die junge Generation , welche Zukunftsperspektive ihr diese Gesellschaft eröffnen will. Nicht nur mit einer Wohnung kann man Menschen erschlagen  (F.Engels). Dringend anzugehen wäre auch der deutliche Mangel an Hallenkapazitäten für Schul- und Hochschulsport (z.B. OUS, Schulschwimmsport).

Frage 2: Werden Sie es unterstützen, dass Bildung in Deutschland von der KiTa bis zur Universität für die Lernenden und ihre Eltern grundsätzlich gebühren- und kostenfrei wird?

Selbstverständlich ! Die kostenfreie Kita ist eine wesentliche Voraussetzung dazu, dass eine ähnlich hohe Erwerbsarbeitsquote von Frauen möglich wird wie z.B. in Frankreich. Die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes (auch mit Behinderung und von MigrantInnen) muss LehrerInnen in den Schulen ermöglicht werden durch kleinere Klassen, mehr Förderunterricht usw. und darf nicht von privater Finanzierung abhängig sein .Die Lernmittelfreiheit darf nicht weiter ausgehöhlt werden. Schüler aus Hartz-IV-Familien brauchen eine verlässlich gleichrangige Sachausstattung, die nicht vom guten Willen kommunaler Parlamente abhängig ist (s. Antrag der Marburger Linken) .In Frankreich ist eine Kantine, die allen Schülern jeden Mittag vollwertige dreigängige Mahlzeiten bereithält, deren Kosten  notfalls in vollem Umfang der Staat trägt, in allen Schulen selbstverständlich. Es ist unerträglich, dass Klassenfahrten ausfallen, weil Eltern die Kosten nicht tragen können. Studiengebühren grenzen sozial aus. Das BaföG muss zu einer  bedarfsdeckenden und repressionsfreien Grundsicherung ausgebaut werden und schrittweise  elternunabhängig werden. Bildung ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht !

Frage 3: Findet es Ihre Zustimmung, dass in Deutschland der Bildungsföderalismus abgeschafft, und ein gesamtdeutsches Bildungssystem mit einheitlichen Standards geschaffen werden muss, dass einem internationalen Vergleich gerecht wird?

Die skandalösen Defizite unseres Landes in der Bildungspolitik, die seit Jahren
immer wieder international angeprangert werden,  machen überdeutlich, dass wir es uns nicht mehr leisten können Bildungsprovinzialismus als modernen Föderalismus auszugeben. Deutschland darf kein Bildungsflickenteppich bleiben. Allerdings erscheint mir auch eine Uniformierung und Zentralisierung des Bildungssystems wie etwa in der DDR oder heute noch in Frankreich nicht erstrebenswert. Es muss auch Raum bleiben für Schulversuche, Schulen in freier Trägerschaft und Reformschulen. Allerdings müssen auch diese allen Kindern unabhängig vom Einkommen der Eltern zugänglich sein. Die integrierte Gesamtschule muss als Ganztagsschule Regelschule werden. Es müssen die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass in einem nationalen Bildungspakt einheitliche Standards für längeres gemeinsames Lernen, die Aufhebung des dreigliedrigen Schulsystems, die Finanzierung kindgerechter Klassengrößen, ein humanes Lerntempo ,Mitbestimmung der SchülerInnen ( und StudentInnen) , gezielte Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund  und Kindern aus sozial benachteiligten Schichten gesetzt werden können.


Nach oben