Nico Biver

Anderswo funktioniert die Verkehrswende ...

In der Marburger Verkehrspolitik tut sich viel – auf dem Papier: „Wir werden den eingeschlagenen Weg zur weiteren Reduzierung des Kraftverkehrs in der Innenstadt fortsetzen”, heißt es im SPD-Programm. Das lässt nichts Gutes erahnen, denn – angelockt durch neue Center und Parkhäuser – hat der Autoverkehr in der Kernstadt nicht ab- sondern zugenommen.

Ich meine, dass wir einen viel attraktiveren Öffentlichen Nahverkehr brauchen, dass der Radverkehr gefördert und die PKW-Dichte in der Innenstadt stark verringert werden muss,

  • weil gegenwärtig die schwächsten Verkehrsteilnehmer (Kinder, Alte, Behinderte) ebenso das Nachsehen haben wie Menschen ohne Auto;
  • weil Lärm, Abgase und Feinstaub die Lebensqualität und Attraktivität der Innenstadt stark beeinträchtigen;
  • weil man den motorisierten Verkehr in Marburg bis 2010 um 50 % verringern müsste, um lokal die Klimaschutzziele der Bundesregierung umzusetzen.

Das hatte bereits 1998 das Marburger Verkehrsforum erkannt, dessen Leitbild vom Stadtparlament angenommen wurde und seitdem verstaubt. Die Agenda-21-Gruppe, die die Arbeit des Forums fortsetzt, kam im Februar 2006 zum Schluss: „Aus dem Projektkatalog, den die Gruppe für die Verwaltung erarbeitet hatte, ist bisher nichts umgesetzt.“

Der Verkehrsentwicklungsplan Nord liegt ebenfalls in der Schublade. Selbst wenn er eins zu eins verwirklicht würde, würde sich das Verkehrsaufkommen gerade mal stabilisieren.

Ich bin der Meinung, dass wir einen viel attraktiveren ÖPNV brauchen. Schnellbusse und Jobtickets würden schon helfen. Eine Trendwende könnte eine Regiotram bringen, eine Straßenbahn, die die Innenstadt, Stadtteile und Umland (auf den Schienen der Bahn) verbindet. Auf einem eigenen Gleiskörper ist sie viel schneller und bequemer als unsere Busse – und das ohne Abgase.

In Kassel, Karlsruhe und Zürich funktioniert es – warum nicht in Marburg?

Außerdem muss der Durchgangsverkehr raus aus der Innenstadt. Ich halte eine Einteilung der Innenstadt in drei Tortenstücke für sinnvoll, die einzeln über die Stadtautobahn angefahren werden könnten aber die untereinander nur für Bus- und Radverkehr durchlässig wären.

In Groningen funktioniert es. Warum nicht in Marburg?

Nicht zuletzt sollte die Stadtautobahn, die die Stadt verlärmt und verschandelt, nicht nur temporeduziert sondern zurückgebaut werden.

Erstaunlich ist, dass Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung vor allem an den Gewerbetreibenden scheitern. Dabei hat sich gezeigt, dass die Umsatzentwicklung in Städten mit weniger Autoverkehr günstiger ist als in anderen.

In Groningen, wo der Fahrradverkehrsanteil 60 % beträgt, kritisierten die Geschäftsleute anfangs den Plan, die Stadt in vier Sektoren zu teilen. Heute erfreuen sie sich hoher Umsatzsteigerungen und die Stadtflucht wurde umgekehrt.

... warum nicht in Marburg?

Stimmen für die Marburger Linke sind Stimmen für eine Verkehrswende.