Birgit Schäfer

Kunst ist ein Lebensmittel

Marburg ist als Universitätsstadt nicht nur ein Ort der Wissenschaft und Bildung sondern ebenso eine Stadt der Kunst und Kultur. Theater, bildende Kunst, Musik, Kabarett, Kleinkunst, Literatur und mehr bestimmen das Angebot. Viele Menschen – jung und alt – sind aktiv in Kulturinitiativen und Vereinen in den einzelnen Stadtteilen.

Das, was Menschen in allen Bereichen der Kunst in Marburg schaffen, hat eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung. „…die Zukunft benötigt Kunst, die das Mit- und Füreinander der Menschen kultiviert.” In diesem Zitat von Konrad Wolf wird der besondere Wert kultureller Arbeit für eine Gesellschaft darin gesehen, dass sie Menschen einander näher bringt, sie sich begegnen und über die Kunst miteinander beschäftigen.

Leider ist das nicht allen Menschen möglich, auch wenn das Bedürfnis im Grunde bei allen existiert. Kultur zu nutzen kostet Geld, sie herzustellen und zu zeigen ebenso. Oft scheitert der Besuch von Veranstaltungen an der sozialen Situation; oft leben diejenigen, die Kunst produzieren, in schwierigen materiellen Verhältnissen. Daran etwas zu ändern hat sich die Marbeurger Linke zur Aufgabe gemacht. Wir begreifen Kulturpolitik so, dass sie Möglichkeiten der Kommunikation, des Nachdenkens und Erkennens bietet und nicht elitär einer bestimmten sozialen Schicht vorbehalten sein darf. Wir treten dafür ein, dass sich die Politik vor Ort nicht der Kultur zur Imagepflege bedient oder sie auf das Niveau des Sich-Rechnens drückt.

Deshalb fordern wir:

  • dass dem Kulturforum durch eine Satzung ebensoviel Einfluss verschafft wird, wie sie die Gleichstellungskommission, der Behindertenbeirat oder das Kinder- und Jugendparlament bereits haben, und dass es für alle Kulturinteressierten offen ist;
  • dass Menschen mit geringem Einkommen kostenlosen Eintritt in kulturelle Veranstaltungen haben (Koppelung an den Stadtpass);
  • dass die kulturellen Zentren und Institutionen aufrecht erhalten und gesichert werden;
  • dass Künstler, die in öffentlichen Einrichtungen der Stadt ihre Arbeit zeigen oder vorführen, Ausstellungsvergütungen erhalten;
  • eine aktive Präsenz von Kunst und Kultur in sozialen Einrichtungen der Stadt;
  • eine stärkere Förderung von nichtkommerziellen Kulturprojekten und von interkultureller Arbeit.

Die Zusammenarbeit von Kulturschaffenden belebt die Szene und muss unterstützt werden im Sinne ihrer Arbeit und für die, die am Kulturleben teilhaben wollen.