Zu dem Verfahren bei der Abstimmung über die Dringlichkeitsanträge „Unterstützung der Studierenden im Kampf gegen Studiengebühren“ der DIE LINKE. Fraktion, der SPD und des Änderungsantrages zu diesen Dringlichkeitsanträgen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Freien Wählern im Kreistag Marburg-Biedenkopf erklärt Hajo Zeller, Mitglied des SprecherInnenrates DIE LINKE. KV Marburg-Biedenkopf:

 

Koalition beugt ungeniert Geschäftsordnung

Grüne eiern bei Studiengebühren/Lehrstück für die Arroganz der Macht

 

 

Was ist passiert? In der Kreistagssitzung am 12. Mai bringen DIE LINKE. Fraktion und die SPD-Fraktion Dringlichkeitsanträge ein, die eine Unterstützung der Proteste der Studierenden in Marburg gegen die Einführung von Studiengebühren fordern. Der Antrag der DIE LINKE-Fraktion führt detailliert sechs Punkte auf, wie diese Unterstützung aussehen soll. Von Organklage über Volksbegehren bis zum Mitdemonstrieren reicht der Forderungskatalog.

 

Dies bringt Die Grünen im Kreistag in Bedrängnis. Auf Hessenebene lauthals gegen Studiengebühren protestierend, im Landkreis auf Gedeih und Verderb an die Studiengebühreneinführer von der CDU gekettet, stellt sich die ihnen die Frage: „Was tun?“ Die Anträge ablehnen? Geht nicht, dann brauchen sie sich im universitären Umfeld so schnell nicht mehr blicken lassen. Also greifen sie zur Geschäftsordnung, formulieren einen inhaltsleeren Antrag, deklarieren diesen als Änderungsantrag und schwupp-diwupp sind die brisanten Anträge der Opposition vom Tisch.

 

Hajo Zeller sagt: „Das Vorgehen der Koalition und vor allem der Grünen macht mich richtig zornig. Aber so werden wir die Grünen nicht davonkommen lassen.

Erstens gibt es noch eine Kommunalaufsicht, die einer machttrunkenen Koalition die Grenzen aufzeigen wird. Es ist eine Frechheit ohnegleichen, die Geschäftsordnung des Kreistages derart zu beugen. In der GO des Kreistages steht wörtlich: „Abänderungs- und Zusatzanträge sind Anträge, die die Einschränkung oder die Erweiterung eines zur Beratung stehenden Antrages bezwecken, ohne seine wesentlichen Voraussetzungen und Zielsetzungen aufzugeben.“ Wer die Texte der Anträge liest, muss schon eine Menge Orwellschen Neusprechs beherrschen, um nicht zu merken, dass die Forderungen in den Anträgen von DIE LINKE. und SPD dem Koalitionsantrag in keiner Weise entsprechen und somit die wesentlichen Zielsetzungen der DIE LINKE. Fraktion und SPD-Fraktion aufgegeben werden. Wenn ich Herrn Herbener (CDU), den frisch gewählten Kreistagsvorsitzenden, richtig verstanden habe, sah er dies genauso.

 

Und zweitens werden wir jeder Studentin und jedem Studenten in Marburg, diesen in Blei gegossenen Eiertanz zur Wahrung des Koalitionsfriedens mit der Unterschrift von Sandra Laaz zeigen.“

 

Zeller fährt fort: „Sollte dies der Stil zukünftiger Parlamentsarbeit sein, dann wird die parlamentarische Demokratie im Kreistag mit Füßen getreten. Zunächst werden zwingende Ladungsfristen zur Änderung der Hauptsatzung, wie bei einem Freizeitverein, mit einem Schulterzucken vom Landrat abgetan, und dann wird die klare Sprache der Geschäftsordnung verbogen bis sich die Balken biegen. Wer derart verfährt, disqualifiziert sich selbst. Es ist lediglich schade, dass viele Menschen im Landkreis dieses skandalöse Vorgehen nicht mitbekommen haben.“