Antrag der Fraktion Die
Linke. betreffend „Ehrenbürgerschaften für Mitglieder der NSDAP, SS und SA“
Beschluss:
1)
Der Kreistag fordert die Gemeindevertretungen des Landkreises auf, die
Ehrenbürgerschaften für sämtliche Mitglieder der NSDAP, SS und SA in
abzuerkennen.
2)
Der Kreistag fordert die Gemeindevertretungen auf andere Ehrungen auf
Gemeindeebene für sämtliche Mitglieder der NSDAP. SS und SA aufzuheben.
3)
Der Kreisausschuss wird aufgefordert zu überprüfen ob es auf Kreisebene
noch bestehende Ehrungen für sämtliche Mitglieder der NSDAP. SS und SA gibt und
diese gegebenenfalls aufheben zu lassen.
4)
Der Kreistag fordert die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises auf, vor
allem die Mitglieder der Geschichtsvereine, in ihren je eigenen Gemeinden und
Städten Quellenstudium zu betreiben, damit noch bestehende Ehrenbürgerschaften
entdeckt und aberkannt werden können.
Begründung:
Adolf Hitler wurde am
Anfang des Jahres 1933, beziehungsweise an seinem Geburtstag am 20. April, in
über 4000 Orten Deutschlands die Ehrenbürgerschaft verliehen. Wie das Beispiel
Biedenkopf zeigt, kann es auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf noch unentdeckte
Ehrenbürgerschaften für Adolf Hitler oder andere ehemalige NS-Größen geben. Die
demokratische Kultur im Landkreis gebietet, unentdeckt gebliebene
Ehrenbürgerschaften aus der NS-Zeit schnellstens zu beenden.
In den Nürnberger Prozessen
wurde die NSDAP, die SA und SS als verbrecherische Organisationen eingestuft.
Eine Ehrung von Mitgliedern dieser verbrecherischen Organisationen durch die
Gemeinden und Städte des Landkreises oder durch den Landkreis selbst ist daher
sofort zu beenden. Das Beispiel Biedenkopf zeigt auch, dass nicht böser Wille
der Verantwortlichen sondern unzureichende Aktenlage Grund für das Fortbestehen
der Ehrenbürgerschaften ist. Die Geschichtsvereine sind ein geeigneter Ort, um
die historischen Quellen auszuwerten und aufzuarbeiten.
gez. Anna Hofmann gez.
Herwig Selzer gez. Heidi Boulnois gez. Inge Sturm