Änderungsantrag der
Fraktion Die Linke. zum Antrag der Fraktionen von CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
FDP und Freie Wähler betreffend „Entwicklung eines Konzeptes über
Öffentlich-Private-Partnerschaften im Bereich der energetischen
Gebäudeoptimierung“
Beschluss:
Der Kreisausschuss wird
beauftragt, ein Konzept zur energetischen Gebäudeoptimierung der kreiseigenen
Gebäude als Beitrag zum kommunalen Klimaschutz und zur Kostensenkung zu
entwickeln und dem Kreistag zur Prüfung vorzulegen. Bausteine dieses Konzeptes
sollen sein: Energieeinspar-Contracting-Verträge mit Dritten,
Öko-Audit-Prozesse an Schulen und in der Verwaltung, Einrichtung einer
Energiestabsstelle in der Verwaltung, Erstellen von „Baselines“ für die
kreiseigenen Liegenschaften und die Erstellung eines „Energieberichtes“ für den
Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Der Ratgeber des
Umweltbundesamtes für Enegiespar-Contracting in öffentlichen Liegenschaften ist
als Grundlage heranzuziehen. Das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien des
Landkreises ist bei der Erstellung des Konzeptes einzubeziehen. Das
vorzulegende Konzept soll folgenden Kriterien entsprechen:
- Eine optimale
energetische Ausstattung der kreiseigenen Gebäude, insbesondere eine deutliche
Senkung der Energiekosten, soll gewährleistet werden.
- Die Vergabe der
Projektentwicklungen, die sich aus dem Konzept ergeben, soll vornehmlich an
heimische Unternehmen erfolgen.
- Die Aufträge zur
Umsetzung der entwickelten Maßnahmen sollen vornehmlich an Unternehmen im
Landkreis vergeben werden.
- Die Umstellung der
Energieversorgung auf dezentral erzeugte erneuerbare Energien aus dem Landkreis
soll gesichert und vorangetrieben werden.
- Der Einsatz modernster
Technologie unter Einschluss von Kraft-Wärme-Kopplung ist sicherzustellen.
- Alle Fördermöglichkeiten
auf EU-, Bundes- und Landesebene sind einzubeziehen.
Begründung:
Der ursprüngliche Antrag
von CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und Freie Wähler geht grundsätzlich in die
richtige Richtung. Die Koalition schreibt in der Begründung für den zu Grunde
liegenden Antrag: „Ziel dieses Antrags ist die weitere Senkung des
durchschnittlichen Wärme- und Strombedarfs in den Schul- und
Verwaltungsgebäuden des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Bei der energetischen
Optimierung der kreiseigenen Schul- und Verwaltungsgebäude, ihre Modernisierung
und laufenden Instandhaltung soll daher die Partnerschaft zu regionalen
Unternehmen gesucht werden, um die notwendigen Investitionen in einer
Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) durchführen zu können.“
Aus Sicht der Fraktion DIE
LINKE. im Kreistag Marburg-Biedenkopf ist diese Begründung sehr richtig, bis
auf den Schluss, dass die energetischen Optimierungen, die Modernisierungen und
die laufende Instandhaltung nur in der Form einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft
verwirklicht werden könnten. Zahlreiche Beispiele aus anderen Landkreises der
Bundesrepublik zeigen, dass dieser Schluss nicht zwingend ist. Erstens kann
auch durch nicht investive Maßnahmen eine Senkung des Wärme- und Strombedarfs
erreicht werden. Öko-Audit-Prozesse in Schulen und in Verwaltungen belegen dies
eindrucksvoll.
Zweitens kann auch der
Landkreis, trotz angespannter Finanzlage, eigene Mittel einsetzen, um Maßnahmen
zur energetischen Optimierung durchzuführen. Bevor über Einspar-Contracting.-Verträge
oder andere Formen der ÖPP entschieden werden kann, muss der Landkreis seine
Hausaufgaben erledigen und eine ungeschminkte Energiebilanz seiner
Liegenschaften erstellen. Wenn der Landkreis eine solche Energiebilanz nicht
mit hauseigenen Mitteln erstellen kann, ist es möglich ein externes Unternehmen
per Ausschreibung damit zu beauftragen. Die Erstellung eines Berichtes über den
„Staus Quo“ muss allerdings strikt von der Projektentwicklung für
Contracting-Maßnahmen einzelner Liegenschaften des Landkreises getrennt werden.
gez.
Anna Hofmann gez. Inge Sturm