Antrag der Fraktion DIE LINKE betreffend
„Heizkosten, Hartz IV, und das KJC“
Beschluss:
1)
Der
Kreisausschuss wird beauftragt die FallmanagerInnen des Kreisjobcenter
anzuweisen, auch ungewöhnlich hohe Heizkosten für LeistungsempfängerInnen des
SGB II zu übernehmen, wenn diese auf baulichen Mängeln der Wohnung beruhen.
2)
Der
Kreisausschuss wird beauftragt in Absprache mit der Stadt Marburg mit den
LeistungsempfängerInnen und deren Vermietern Gespräche zu führen, um Wege zu
finden, energetische Missstände in den Wohnungen zu beseitigen.
Begründung:
In vielen Fällen wohnen Menschen,
die von Hartz IV leben müssen, in Räumen, die nicht dem neuesten Stand der
Bautechnik entsprechen. Ungedämmte Decken, schlecht gedämmte Wände, nicht oder
unzureichend isolierte Wärmetransportsysteme oder auch mangelhafte Fenster
führen zu unverhältnismäßig hohen Heizkosten in diesen Wohnungen. Die Praxis
des Kreisjobcenters den BewohnerInnen solcher Wohnungen die Kürzungen der
Leistungen anzudrohen oder die Kürzungen der Leistungen durchzusetzen, bedeutet
eine unbillige Härte für diese Menschen. Eigenanteile von 90 Euro pro Monat an
den Heizkosten bedeuten praktisch eine Kürzung der Regelleistung von über
eintausend Euro im Jahr. Dies können die Mitglieder des Kreistages nicht
wollen.
Für die Stadt Marburg erklärte Stadträtin
Dr. Kerstin Weinbach in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 28.
September, dass die Stadt Marburg für EmpfängerInnen von Leistungen nach SGB
XII diese Kosten übernähme. Für LeistungsempfängerInnen nach dem SGB II sei
jedoch das Kreisjobcenter zuständig. Der Kreistag sollte dem Beispiel des
Marburger Magistrats folgen und die Hartz-IV-BezieherInnen nicht im Regen
stehen lassen. Für die EmpfängerInnen von Sozialleistungen ist es in aller
Regel nicht möglich oder zumutbar zu überprüfen, welche baulichen oder
anderweitigen Maßnahmen notwendig sind, um die energetischen Mängel einer
Wohnung zu beheben. Der Kreistag hat in seiner letzten Sitzung den Willen
bekundet, bis 2040 von fossilen und atomaren Energieträgern unabhängig zu
werden. Dies kann nur gelingen, wenn der Energieeinsatz effektiver und
effizienter erfolgt. Unverhältnismäßig hohe Heizkosten sind ein nicht
übersehbares Zeichen dafür, dass Energie verschwenderisch und unvernünftig
eingesetzt wird. Erhält der Kreisausschuss von solchen Fällen Kenntnis, sollte
er unverzüglich tätig werden.
gez. Heidi Boulnois gez. Herwig
Selzer