Antrag zur
Kreistagssitzung am 13. Oktober 2006
Änderungsantrag der
Fraktion Die Linke. zur Vorlage des Kreisausschusses „Elternbeiträge für die
Teilnahme am Betreuungsangebot an Grundschulen“
Beschluss:
1)
Der Kreisausschuss wird beauftragt sich bei der Hessischen
Landesregierung für ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen
einzusetzen. Solange die Landesregierung nicht willens oder in der Lage ist,
diesen sinnvollen pädagogischen Ansatz zu verwirklichen, soll der
Kreisausschuss die nachfolgenden Übergangsregelungen verwirklichen.
2)
Der Kreisausschuss wird beauftragt das Betreuungsangebot an Grundschulen
für alle Schüler des Landkreises flächendeckend vorzuhalten.
3)
Der Kreisausschuss wird beauftragt das Betreuungsangebot flächendeckend
bis 16.00 Uhr anzubieten.
4)
Das Betreuungsangebot ist von qualifizierten PädagogInnen zu erbringen.
Diese sollen mindestens als Halbtagskräfte eingestellt werden. Der Stellenplan
des Landkreises wird diesbezüglich angepasst.
5)
Die Betreuung soll für Eltern kostenfrei sein. Die anfallenden
Mehrkosten sind aus dem Kreishaushalt zu tragen.
Begründung:
Über alle sonstigen
politischen Differenzen hinweg ist unstrittig, dass gesellschaftliche
Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, Frauen und Männern die Teilnahme an
der Erwerbsarbeit zu ermöglichen und gleichzeitig Familiengründung und
Kindererziehung zu gestatten. Ein flächendeckendes Betreuungsangebot an
Grundschulen bis in den Nachmittag hinein ist hierfür ein unverzichtbarer
Baustein, so lange ein flächendeckendes Angebot an Ganztagesschulen noch nicht
realisiert ist.
Ebenfalls weitgehend
unstrittig ist, dass für alle Kinder in der Bundesrepublik Deutschland, somit
auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf, Bedingungen geschaffen werden müssen, die
den Kindern eine optimale Entfaltung und Entwicklung ihrer Fähigkeiten und
ihrer Persönlichkeit ermöglichen. Um diese Potentiale der jungen Menschen zu
fördern und zu entwickeln, sind pädagogische Fachkräfte und durchdachte
pädagogische Konzepte notwendig. Eine bloße Verwahrung und Beaufsichtigung
beraubt viele Kinder der Möglichkeit, die in ihnen schlummernden Talente zu
entfalten.
Dies ist in einer
kapitalistisch organisierten Gesellschaft nicht zum Nulltarif zu bekommen.
Sachmittel und Personal müssen bereitgestellt und bezahlt werden. Die
Mitglieder des Kreistages sind aufgefordert, eine Entscheidung zu treffen. Sie
müssen die Entscheidung treffen, ob ihnen die Kinder im Landkreis tatsächlich
etwas wert sind, oder ob der Ruf nach besserer Bildung nichts anderes als ein
wohlfeiler
Textbaustein bei
Sonntagsreden ist.
Das strukturelle Defizit im
Haushalt des Landkreises, verursacht durch eine völlig unzureichende
Finanzausstattung, verantwortet von Bundes- und Hessischer Landesregierung,
darf nicht als billige Ausrede herhalten, den Kindern und Eltern des
Landkreises ein gutes, pädagogisch sinnvolles und notwendiges Betreuungsangebot
zu verweigern. Wenn es wahr ist, dass die Kinder dieses Landkreises die Zukunft
dieses Landkreises sind, sollten die Mitglieder des Kreistages nicht zögern,
für diese Zukunft Geld- und Sachmittel bereit zu stellen.
gez. Anna Hofmann gez.
Heidi Boulnois