Antrag der Fraktion Die
Linke. betreffend „Kreishaushalt 2007“
Beschluss:
Änderungsanträge der
Fraktion DIE LINKE. zum Kreishaushalt 2007
Abkürzungen:
HHSt.: Haushaltsstelle
E = Entwurf des
Kreisausschusses für Ausgaben
Ä = Änderungsvorschlag der
DIE LINKE. - Fraktion für Ausgaben
Alle Beträge werden in EURO
angegeben.
I. VERWALTUNGSHAUSHALT
1.) Über alle Einzelpläne
hinweg in den Untergruppen 41420 und 44420
E: 0
Ä: 900.000
Begründung:
In einer „Arbeitshilfe zur
Umsetzung von Arbeitsgelegenheiten“ nach § 16 Abs. 3 SGB II (Hartz IV Gesetz),
die von der Bundesagentur für Arbeit unter Beteiligung des Bundesministerium
für Wirtschaft und Arbeit sowie mit der beim BMWA gebildeten
„Begleitarbeitsgruppe Zusatzjobs“ (Mitglieder: BMWA, Bundesministerium für
Gesundheit und Soziale Sicherung, Bundesministerium für Familie, Senioren
Frauen und Jugend, Kommunale Spitzenverbände, Wohlfahrtsverbände, Deutscher
Gewerkschaftsbund, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände,
Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Bundesverband privater
Anbieter sozialer Dienste, Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit, Bundesagentur für
Arbeit) erarbeitet wurde, ist ausdrücklich festgehalten, dass die Beschäftigung
erwerbsfähiger Hilfebedürftiger im Rahmen der Förderung von Arbeitsbeschaffungsmassnahmen
möglich ist. In dieser Arbeitshilfe ist weiter festgehalten, dass ein
Maßnahmeträger (z.B.: Praxis gGmbH, Integral) mit Hilfebedürftigen zusätzliche
und im öffentlichen Interesse liegende Arbeiten selbst durchführt oder Dritte
mit der Durchführung der Arbeiten betraut.
Die Behauptung ABM
Maßnahmen seien nicht mehr möglich und die Hilfebedürftigen ausschließlich in
Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigungen (Ein-Euro-Jobs) zu
vermitteln ist somit eindeutig widerlegt. In der Ausschreibung des
Ideenwettbewerbs des BMWA "Beschäftigungspakte für ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Regionen" bei dem der Landkreis
mit seinem Konzept comeback@50 erfolgreich war, wird ausdrücklich darauf
verwiesen, dass „angesichts der schwierigen Arbeitsmarktlage für ältere
Arbeitnehmer nicht auf die Möglichkeiten der öffentlich geförderten
Beschäftigung verzichtet werden kann.“ Aus diesem Grund beantragt DIE LINKE. –
Fraktion die Bereitstellung der Mittel für ABM-Stellen in der Kreisverwaltung.
Dies ist keine Aufforderung
weiterhin reguläre Arbeitsplätze abzubauen, wie dies der
Landkreis in den letzten
Jahren getan hat (und Landrat Fischbach ist auch noch sehr, sehr stolz darauf).
Es ist vielmehr eine Aufforderung an den Landkreis als Auftraggeber zusätzlicher
und im öffentlichen Interesse liegender Arbeiten den Kommunen im Landkreis, den
Vereinen und Verbänden und nicht zuletzt den Beschäftigungsgesellschaften im
Landkreis zu zeigen, dass es durchaus Alternativen zu den Arbeitsgelegenheiten
mit Mehraufwandsentschädigungen (Ein-Euro-Jobs) gibt.
2.) Einzelplan 0, Abschnitt
02
Unterabschnitt/HHSt: 1
02001 41400
E: 299.460
Ä: 499.460
Begründung:
Mit diesem Mehraufwand von
200.000 Euro lässt sich eine Energiereferat aufbauen. Das Beispiel Frankfurt am
Main zeigt, laut Aussage des dortigen Leiters des Energiereferates Dr. Neumann,
dass eine Kommune oder ein Gemeindeverband das Doppelte an Energiekosten
vermeiden kann, wie die Menschen, die dafür bezahlt werden dieses zu
organisieren, die Kommune kosten. Dies gilt nicht nur für Großstädte sondern
für Gemeinden, Städte und Landkreise jeder Größenordnung. Aus dem Antrag der
DIE LINKE.- Fraktion folgt nicht zwingend, dass das Energiereferat direkt beim
Landrat angesiedelt werden muss. Eine Eingliederung in den Fachbereich 40
(Schule und Gebäudemanagement) ist ebenfalls denkbar und sinnvoll.
3.) Einzelplan 0, Abschnitt
03
Unterabschnitt/HHst: 1
03000 57000
E: 35.000
Ä: 0
Begründung:
Zur Unterstützung der
Umstellung auf die Doppik sind die obigen Mittel für externe Dienstleister in
den Haushalt eingestellt worden. DIE LINKE. Fraktion hält diese Mittel für
entbehrlich, da die Umstellung auf einen Produkthaushalt mit internen
Ressourcen gelöst werden kann und soll.
4.) Über alle Einzelpläne
hinweg in den Untergruppen:
54010, 54020 und 54030
E: 6.665.050
Ä: 5.965.050
Begründung:
In der
Gruppierungsübersicht werden für die Bewirtschaftung der kreiseigenen Gebäude 6
665 050 Euro ausgewiesen. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes lassen sich
in den Bereichen Heizung, Strom, Wasser und Abwasser selbst ohne
kostenintensive Investitionen durch Verhaltensänderungen und bewussten Umgang
mit den knappen Ressourcen Energie und Wasser Einsparungen von dreißig Prozent
der Kosten erzielen. Wenn der Landkreis als Eigner von Immobilien in den
Bereichen Heizung, Strom, Wasser und Abwasser konsequent in allen
Liegenschaften diese Verhaltensänderungen einfordert und anstößt, liegen die
Minderausgaben, die DIE LINKE. – Fraktion ansetzt, noch lange nicht an der
oberen Grenze der Einsparmöglichkeiten. Falls der Landkreis in den
angesprochenen Bereichen investieren könnte oder wollte, ergäben sich noch
weitaus größere Einsparpotentiale.
4.) Einzelplan 2, Abschnitt
20
Unterabschnitt/HHSt.: 1
2000 41400
E: 113.550
Ä: 213.550
Begründung:
Mit diesem Mehraufwand von
100.000 Euro sollen die personellen Voraussetzungen geschaffen werden, um an
kreiseigenen Schulen Entwicklungen in Gang zu setzen, die darauf hinaus laufen,
sich selbst tragende Öko-Audit-Prozesse zu installieren. Die Schulen in der
Bundesrepublik (vor allem in Nordrhein-Westfalen), die es geschafft haben
solche Prozesse zu installieren, sparen zum einen den Schulträgern eine Menge
Geld, zum anderen vermitteln sie ihren Schülerinnen und Schülern ein besseres
Verständnis vom Verhältnis zwischen Mensch und natürlicher Umwelt. Die
einzelnen Schulen sind oftmals überfordert neben dem täglichen Schulbetrieb
alle relevanten Informationen und Hilfen (die übrigens leicht durch das
Internet zugänglich sind) aufzunehmen und umzusetzen. Es darf nicht sein, dass
umweltgerechtes Verhalten in den Schulen von der zufälligen Einstellung
einzelner Personen abhängt. Daher ist es sinnvoll und notwendig, dass der
Schulträger seinen Schulen hilfreich unter die Arme greift und die dafür
benötigten Mittel bereit stellt.
Einzelplan 2, Abschnitt 20
Unterabschnitt/HHST.: 1
2000 65502
E: 50.000
Ä: 0
Begründung:
DIE LINKE lehnt
PPP-Projekte in dieser Form ab, und hält somit diese Kosten für entbehrlich.
Einzelplan 2, Abschnitt 29
Unterabschnitt/HHSt: 1
29506 11000
E: 400.000
Ä: 380.000
Einzelplan 2, Abschnitt 29
Unterabschnitt/HHST: 1
29596 41400
E: 1.411.200
Ä: 2.111.200.
Begründung:
DIE LINKE. Fraktion fordert
die flächendeckende Einführung eines Betreuungsangebotes an Grundschulen. Die
MitarbeiterInnen sollen sozialversicherungspflichtige
Beschäftigungsverhältnisse eingehen. Die soziale Staffelung der Elternbeiträge
soll eingeführt werden. Die Haushaltsansätze dienen der Verwirklichung dieser
Ziele.
5.) Einzelplan 4, Abschnitt
40
Untergruppe/HHSt.: 1 40500
61000
E: 40.000
Ä.: 0
Begründung:
Es ist erstaunlich,, dass
in Abschnitt 4, Unterabschnitt 40.500, Kostenstelle 61000 des Entwurfs 40.000
Euro für die Öffentlichkeitsarbeit des KJC eingesetzt werden. Dies stellt eine
Erhöhung der Ausgaben für Außendarstellung des KJC um 100% dar. Wir haben in
der Vergangenheit mehrmals Anträge gestellt, wonach die vom SGB II Betroffenen
sowie Grundsicherungs-Berechtigte über ihre Rechte und Möglichkeiten aufgeklärt
werden sollten. Sie wurden regelmäßig abgelehnt. Wenn jetzt dem KJC 40.000 Euro
für seine Öffentlichkeitsarbeit zugesprochen werden sollen, dann handelt es
sich offenbar um jene Form der Public Relations, mit der auch in der
Vergangenheit Kreisausschuss und KJC sich selbst auf die Schulter geklopft haben.
Diese Mittel sind entbehrlich und sollten stattdessen der tatsächlichen
Information der Betroffenen im Sinne unserer bisher abgelehnten Anträge
zugeführt werden. Für eine gute und kundenorientierte Arbeit bedarf es keiner
extra Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit.
6.) Einzelplan 4, Abschnitt
46
Untergruppe/HHSt.: 1 4650
70000
E: 430.000
Ä: 480.000
Untergruppe/HHst.: 1 4650
70100
E: 163.200
Ä: 343.000
7.) Einzelplan 4, Abschnitt
47
Untergruppe/HHst.: 1 4700
70000
E: 39.800
Ä: 79.800
Untergruppe/HHst.: 1 4700
70003
E: 125.000
Ä: 205.000
Begründung:
Unsere Anträge zu
Einzelplan 4 und betreffen die soziale Infrastruktur im Landkreis
Marburg-Biedenkopf. In den letzten Jahren wurden im Einzelplan 4 bei Vereinen,
Verbänden und Initiativen massive Mittelkürzungen vorgenommen. Diese
Mittelkürzungen sollen mit den Änderungsanträgen der Fraktion DIE LINKE.
ausgeglichen werden.
8.) Einzelplan 7, Abschnitt
79
Unterabschnitt/HHSt.: 1
79100 41400 (neu)
E: 0
Ä: 50.000
Begründung:
Das Förderwesen der EU, des
Bundes und des Landes ist inzwischen derart unübersichtlich geworden, dass es
notwendig ist, eine Stelle zu schaffen, die die Förderprogramme ständig sichtet
und auf ihre Verwendungsfähigkeit im Landkreis überprüft. Es steht zu erwarten,
dass ein Vielfaches an Fördergeldern für den Landkreis eingeworben werden kann,
so dass diese Stelle sich letztendlich selbst finanziert.
9.) Einzelplan 8, Abschnitt
87
Unterabschnitt/HHSt.: 1
87000 21000
E: 1.550.000
Ä: 3.100.000
Begründung:
Laut „Beteiligungsbericht
2006“ der Stadt Marburg beträgt die Relation der Sicherheitsrücklage zur
Bilanzsumme der Sparkasse Marburg-Biedenkopf 6,1%. Im § 16 des Hessischen
Sparkassengesetzes ist festgelegt, dass die Hälfte des Bilanzgewinns einer
Sparkasse an die Träger ausgeschüttet werden darf, wenn die Sicherheitsrücklage
mehr als 6% der Bilanzsumme beträgt. Da weder vom Landrat noch von dem Vorstand
der Sparkasse nachvollziehbar dargelegt wird, weshalb dieser gesetzliche
Spielraum nicht ausgenutzt werden kann, ist dieser Haushaltsansatz berechtigt
und gerechtfertigt.
II. Vermögenshaushalt
Gruppierungsnummern 94, 95
und 96
Unter diesen
Gruppierungsnummern sind die Baumaßnahmen des Landkreises zusammengefasst.
Hierunter fallen viele Maßnahmen, die auch einer energetischen Optimierung von
Gebäuden dienen oder dienen könnten. Nach einer vorsichtigen Schätzung sollten
daher Baumaßnahmen mit einem Volumen von etwa 2.000.000 Euro über
Contracting-Modelle abgewickelt werden können. Diese Investitionskosten
brauchte deshalb nicht der ohnehin klamme Landkreis zu tragen, sondern würde
von den Contacting-Partnern aufgebracht. Landauf, landab bedienen sich Kommunen
dieser attraktiven Form der Finanzierung. Im Bereich der energetischen
Optimierung seiner Gebäude wird diese Aufgeschlossenheit auch von der DIE
LINKE: - Fraktion unterstützt. Denn Nutznießer wären in diesem all der
Landkreis, die Umwelt und das Klima.
III. Gesamtbegründung für
unsere Anträge für Einnahmen und Ausgaben
Die Anträge, die wir seit
2001 im Kreistag gestellt haben und die allesamt abgelehnt wurden, waren nicht
kostenneutral. Sie enthielten Mehrausgaben, aber auch Vorschläge für
Einnahmeverbesserungen und Einsparungen. Auf ihnen beruhen die vorstehend
dargestellten Vorschläge zum Haushalt 2007. Per Saldo entlasten sie den Haushalt
um rund 2.000.000 Euro.
gez.
Anna Hofmann gez. Inge Sturm gez. Heidemarie Boulnois gez. Herwig Sälzer