Keine Privatisierung der Deutschen Bahn AG

 

Beschluss:

Die Mitglieder des Kreistages Marburg-Biedenkopf wenden sich gegen eine Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn AG. Sie unterstützen die Aktionen des Bündnisses „Bahn für alle“ (attac, Naturfreunde, Bahn von unten, BUND, Robin Wood, Bürgerbahn statt Börsenbahn).

 

Sie fordern den Kreisausschuss auf, im Namen des Kreistages an die Mitglieder des Deutschen Bundestages zu appellieren einem Verkauf von Unternehmensteilen der Deutschen Bahn AG nicht zuzustimmen. Der Brief des Bündnisses „Bahn für alle“ an die Bundestagsabgeordneten soll hierbei Verwendung finden.

 

Darüber hinaus wird der Kreisausschuss aufgefordert, den Hessischen Landkreistag und den Deutschen Landkreistag aufzufordern sich den Protesten anzuschließen.

 

Begründung:

Die angekündigten Mittelkürzungen für den Regional- und Nahverkehr drohen bereits jetzt den ÖPNV im Landkreis Marburg-Biedenkopf gravierend zu beineinträchtigen. Eine Privatisierung der Deutschen Bahn AG wird die Situation des ÖPNV nicht verbessern, sondern wie die Erfahrungen aus Großbritannien zeigen deutlich verschlechtern. Es ist Aufgabe des Kreistages sich auch für die Interessen der Menschen einzusetzen, die ihr Recht auf Mobilität nicht mit einem Automobil wahrnehmen wollen oder können. Die Anhörungen im Bundestag haben gezeigt, dass eine Privatisierung der Deutschen Bahn AG den Interessen jener Menschen zuwider läuft. Deshalb ist es notwendig, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die anstehende Privatisierung zu verhindern.

 

Anlage:

 

Brief von „Bahn für alle“ an die Mitglieder des Deutschen Bundestages

 

Börsengang/Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn AG

 

Sehr geehrte/r N.N

 

vermutlich Ende September 2006 werden Sie über einen Börsengang bzw. den Verkauf von Unternehmensteilen der Deutschen Bahn abstimmen. Eine Kapitalprivatisierung hätte sehr weit reichende Folgen und würde in Zukunft Bundestag und Bundesregierung ihrer bahnpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten berauben.

 

Eine Privatisierung wäre zudem ein Ausverkauf von Volksvermögen. Das Netz und die Transportunternehmen würden weit unter Wert verkauft (vgl. dazu die Stellungnahme von Prof. Bodack in der Anhörung im Verkehrsausschuss am 10.5.2006). Zu einem Schleuderpreis würde ein Verkehrssystem verramscht, was innerhalb von 170 Jahren in Deutschland aufgebaut wurde. Das Bündnis „Bahn für Alle“ fordert Sie auf, das zu verhindern und sowohl Bahn als auch Netz in öffentlichem Eigentum zu belassen.

Als Folge einer Kapitalprivatisierung befürchtet „Bahn für Alle“, dass

 

- künftig viele Regionen vom Schienenanschluss abgehängt, das Netz zerstört wird;

- massive Angebotstreichungen erfolgen statt mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern;

- ein „Flickenteppich“ bei Fahrplänen und Tarifen entsteht;

- Umweltstandards abgesenkt statt verbessert werden (bei Lärm, Schadstoffen etc.);

- soziale Standards abgesenkt werden, Sozialdumping erfolgt;

- flächendeckende Mobilitätsangebote und Netzinvestitionen unterbleiben.

 

Ziel der Kampagne ist eine bessere Bahn nach dem Vorbild der Schweiz mit

 

- deutlich höheren Verkehrsanteilen der Bahn sowie Bahn-Fahrleistungen pro Einwohner

- mehr Effizienz und niedrigerem öffentlichem Zuschussbedarf;

- mehr Umweltfreundlichkeit (z.B. wesentlich leiseres Rollmaterial, Rußpartikelfilter)

- mehr Transparenz und Einfluss der Fahrgäste und der Bürger auf die Bahnpolitik.

 

Bitte verhindern Sie mit Ihrer Stimme den Ausverkauf der Deutschen Bahn und treten Sie für eine Weiterentwicklung der Deutschen Bahn AG im öffentlichen Eigentum im Sinne dieser vier Ziele ein.

 

Gez. Anna Hofmann                                  gez. Heidemarie Boulnois