Artikel über Pit Metz in der Frankfurter Rundschau vom 19. Januar 2004

Lieber Peppone als Don Camillo

Der parteilose Pit Metz will für PDS/Marburger Linke mehr als 6,5 Prozent holen und politische Themen in den OB-Wahlkampf bringen

von Gesa Coordes (Marburg)

Unter den fünf Bewerbern um den Marburger Oberbürgermeisterposten ist er der einzige linke Konkurrent für Bürgermeister Egon Vaupel (SPD): Der parteilose Pit Metz tritt für die PDS/Marburger Linke an, um politische Themen in den Wahlkampf einzubringen.

"Bei uns zuhause ging es zu wie bei Don Camillo und Peppone", sagt Pit Metz über seine Kindheit an der Weinstraße. Pfarrer und Sozialisten gingen in der achtköpfigen Familie aus und ein. Sein Vater, ein Arbeiter, der es später zum freigestellten Betriebsrat brachte, war "überzeugter Christ und sozial denkender Mensch". Sein Großvater war im Rotkämpferbund aktiv. "Linkssein war in unserer Familie nichts Verpöntes", sagt der 51-Jährige. Dabei blieb auch Pit Metz, der im Laufe der Jahre allerdings vom Glauben abkam. Als einziger der sechs Geschwister ging er zum Gymnasium und kam nach dem Zivildienst bei einem Spastikerverein 1974 zum Pädagogikstudium nach Marburg, wo er sich dem Marxistischen Studentenbund Spartakus anschloss.

Die "roten Flecken" in seiner Vita brachten ihn allerdings um seine erste Stelle als Sozialarbeiter in der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt. Die Arbeit mit Straffälligen war damals eigentlich sein Traum gewesen. Ein Jahr lang kümmerte er sich in der JVA um Unterricht und Nachhilfe, baute eine Knast-Band auf und lernte neben Mördern auch ehemalige SS-Männer und RAF-Mitglieder kennen. Als sein Vertrag verlängert werden sollte, scheiterte er indes am Verfassungsschutz.

Stattdessen machte er nach einer kurzen Phase als Schreinerlehrling eine Ausbildung zum Rehabilitationslehrer für Blinde und Sehbehinderte. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er inzwischen bei der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg, heute als freigestellter Betriebsrat.

Schon 1971 schloss sich Pit Metz der DKP an, die in der Universitätsstadt viele Jahre im Parlament war. Er trat auch nicht gleich nach der Wende aus der Partei aus: "Ich wollte in der gemeinsamen Bearbeitung der Geschichte etwas lernen." Als er jedoch merkte, dass die innerparteilichen Kritiker nicht mehr erwünscht waren, kehrte er der DKP 1996 den Rücken. Trotzdem betont er: "Meine antikapitalistische Haltung ist damit nicht hinfällig geworden, sondern nur der Glaube an die Verhältnisse in der DDR." Seit 2002 sitzt er als parteiloser Vertreter für die PDS/Marburger Linke in der Stadtverordnetenversammlung. Als OB-Kandidat will Pit Metz mehr die 6,2 Prozent der Stimmen holen, die die Sozialisten bei der Kommunalwahl gewannen. Dabei geht es ihm in erster Linie darum, politische Themen in den Wahlkampf einzubringen, die den Leuten unter den Nägeln brennen. So kämpft er angesichts von Hartz IV für eine bessere Ausstattung des Stadtpasses für Arbeitslose und Arme. Der 51-Jährige ist allerdings nicht nur politisch und sozial engagiert. Als Kammerdiener, der sich als Mörder entpuppt, war er in der Krimikomödie des Dramatischen Vereins Rauischholzhausen zu sehen. Bei literarischen Kleinkunstabenden liest er selbst geschriebene Gedichte, Kurzgeschichten und Satiren - etwa über das "Park-in-town-Syndrom" in Marburg. Er organisiert Kunstausstellungen, und bei Neujahrempfängen spielt er auch schon einmal Arbeiterlieder auf der Gitarre.