Fraktion PDS/Marburger Linke in der Stadtverordnetenversammlung
Antrag, eingereicht am 7.3.2002

Straßenbenennung nach Wolfgang Abendroth

Der Magistrat wird aufgefordert, umgehend eine Straße, einen Platz oder eine Grünanlage nach dem Marburger Juristen und Politikwissenschaftler sowie Widerstandskämpfer gegen den Faschismus Wolfgang Abendroth zu benennen und ihn damit noch zu Lebzeiten seiner Witwe zu ehren.

Begründung:
Seit nunmehr fast einem halben Jahrzehnt wird die Frage, ob Wolfgang Abendroth und sein Werk in dieser Stadt endlich öffentlich anerkannt und gewürdigt werden, erwogen, beredet, zerredet ... und auf die lange Bank geschoben.

Dieser Vorgang ist einer traditionsbewussten Universitätsstadt unwürdig.

Wolfgang Abendroth ist in zweifacher Weise – als scharfer Denker und Analytiker politischer Zusammenhänge ebenso wie als mutiger Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft – ein Vorbild gewesen.

Ihn durch die Benennung einer Straße nach ihm zu ehren, wäre auch ein Zeichen des Eintretens für wissenschaftliche Redlichkeit, für Demokratie und Menschenwürde – gegen Rassismus und Menschenverachtung.

Es wäre zudem menschlich wünschenswert, dass Abendroths Witwe Lisa diese Ehrung noch miterleben kann, hatte sie doch Anteil an der Isolierung und Diffamierung, der ihr Mann wie viele Widerstandskämpfer gegen die Nazidiktatur in der frühen Bundesrepublik ausgesetzt war.

Eva Chr. Gottschaldt / Henning Köster-Sollwedel

Der Antrag wurde am 26 April 2002 mit Stimmen von PDS/ML, SPD und Grünen angenommen.

Auf der Stadtverordnetenversammlung vom 27. September 2002 wurde beschlossen die Mensabrücke nach Abendroth zu benennen.